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Ausnahmesituation für Arbeitnehmer

Viele Arbeitnehmer sind verunsichert. Kann ich noch zur Arbeit gehen? Kann mir mein Arbeitgeber verbieten, im Homeoffice zu arbeiten? Kann der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis aufgrund der Krise beenden und die Kündigung aussprechen? Aber auch die Kinderbetreuung ist für viele Angestellte ein schwieriges Thema. Schulen, Kindergärten und Kitas sind geschlossen. Berufstätige Eltern müssen nun Arbeit und Kinder unter einen Hut bringen. Zwei bis drei Tage können Arbeitnehmer ohne Lohneinbußen ausschließlich den Nachwuchs betreuen. Dann müssen langfristig tragbare Lösungen gefunden werden. Sprechen Sie mit Ihrem Chef. Vielleicht ist es möglich, dass Sie im Homeoffice arbeiten oder flexible Arbeitszeiten eingerichtet werden. Dann können sich Vater und Mutter die Kinderbetreuung leichter teilen.

Arbeitnehmer und Corona: Ein Tisch mit Schreibsachen und einem Laptop.
Zunehmend mehr Arbeitnehmer sind momentan im Homeoffice beschäftigt.

Unsichere Zukunft für Unternehmen

Aber auch Arbeitgeber haben nun ganz neue Sorgen. Wie können Auftragseinbußen abgefangen werden? Werden die Materialien zur Herstellung neuer Produkte auch in den nächsten Wochen noch lieferbar sein? Müssen Mitarbeiter in die Kurzarbeit geschickt werden? Besonders die Gastronomie erlebt aktuell maximale Einbrüche. Restaurants, Bars und Cafés wurden von Seiten der Regierung geschlossen. Die Besitzer und ihre Angestellten stehen gerade jetzt zur Saisoneröffnung vor dem Nichts. Die Umsätze sind innerhalb eines Tages von 100% auf 0% gefallen.
Für Unternehmer wird es jetzt besonders schwierig. Sie müssen Waren, Mieten, Lieferanten und vieles mehr bezahlen. Der Staat versucht schnell zu unterstützen, beispielsweise mit zinsgünstigen Krediten der KfW- Bank (https://www.kfw.de/KfW-Konzern/Newsroom/Aktuelles/KfW-Corona-Hilfe-Unternehmen.html). Für Kleinunternehmen und Einzelunternehmen besteht zusätzlich die Möglichkeit, sich einen Anteil von einem von der Regierung beschlossenen Soforthilfeprogramm zu sichern. Hierzu muss lediglich ein Antrag mit wenigen Daten bei einer der Soforthilfe ausgebenden Banken gestellt werden. Zudem hat das Bundesministerium für Finanzen, das größte Hilfspaket in der Geschichte Deutschlands (https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Schlaglichter/Corona-Schutzschild/2020-03-13-Milliarden-Schutzschild-fuer-Deutschland.html) auf den Weg gebracht.

Liquiditätsengpässe für Unternehmen

Viele Firmen in Deutschland, aber vor allem die Unternehmen die von Kundenverkehr leben, stehen aktuell vor einem massiven Liquiditäts-Problem. Durch die Schließung vieler Geschäfte, Restaurants und Kultusstätten bleibt der Umsatz aus. Auch ein möglicherweise angespartes Polster ist hier schnell aufgebraucht. Viele stehen kurz vor der Insolvenz. Arbeitgeber können ihre Angestellten in Krisenzeiten in Kurzarbeit schicken, um Lohnkosten schnell zu reduzieren. Das heißt der Arbeitgeber kann für seine Angestellten Kurzarbeitergeld beantragen. Dies beträgt allerdings nur etwa 60% vom eigentlichen Gehalt und ist mit einigen Anforderungen verbunden. Auch ist nicht gesagt, ob der Angestellte von diesen 60% seinen Lebensunterhalt, also Miete, Betriebskosten und vieles mehr, überhaupt bestreiten kann.

Wie können  Arbeitnehmer und Arbeitgeber in dieser Zeit Lösungen finden?

Arbeitet man nicht in der Gastronomie oder betreibt selbst ein Unternehmen in diesem Bereich, dann hat der Arbeitnehmer auf jeden Fall, sofern vom Arbeitgeber nicht anders angewiesen, die Pflicht am Arbeitsplatz zu erscheinen. Allerdings muss die Geschäftsleitung hier Maßnahmen ergreifen, um die Mitarbeiter zu schützen.

Zudem kann das Unternehmen seinen Beschäftigten in dieser Zeit auch die Möglichkeit einer Homeoffice Tätigkeit anbieten. Der Angestellte kann so seinem Job von Zuhause nachgehen, bis sich die Situation verbessert. Ist das Unternehmen, wie zum Beispiel im gastronomischen Bereich, allerdings verpflichtet zu schließen, dann hat der Angestellte trotzdem das Recht auf die Fortzahlung seines Gehalts. Arbeitnehmer können aber auch Überstunden abbauen oder kurzfristig ihren Urlaub nehmen.

Wer seine Kinder betreuen muss, wird nur für eine begrenzte Zeit weiterhin entlohnt. Eine weitere Möglichkeit ist, Kinderkrankengeld zu beantragen. Dies ist allerdings auf einen kurzen Zeitraum begrenzt. Bei verheirateten Personen handelt es sich hierbei um maximal 10 Tage pro Kind. Bei Alleinerziehenden wird dieser Ausfall maximal 20 Tage über das Kinderkrankengeld gedeckt. Viele Arbeitnehmer denken daher darüber nach, sich nach dieser Art von Krankschreibung ihren Jahresurlaub zu nehmen, um die Betreuung zu sichern.

Arbeitnehmer und Corona: Ein Mann sitzt am Tisch und arbeitet am Laptop, während ein kleines Mädchen auf seinem Schoß sitzt.
Die Kombination zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung ist eine Frage der guten Organisation.

Im Quarantänefall erhält der Arbeitnehmer bis zu 6 Wochen sein reguläres Entgelt. Hier ist allerdings entscheidend, ob der Arbeitnehmer Zuhause oder im Krankenhaus in Quarantäne genommen wurde. Wer sich in Häuslicher Quarantäne befindet und noch keine Krankheitssymptome hat, sollte weiter arbeiten, sofern dies möglich ist.
Sollte der Chef in Corona-Zeiten Urlaube streichen oder Überstunden anordnen, dann ist er hierzu berechtigt. Allerdings nur bei entsprechender Entlohnung. Niemand muss unbezahlte Überstunden leisten.

Homeoffice und Kinderbetreuung in der Corona-Krise

Ob es zu einer Homeoffice Vereinbarung kommt, entscheidet sich zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Im Falle einer Kinderbetreuung ist die Möglichkeit des Homeoffice in vielen Fällen machbar. Allerdings sollte dann die Arbeitsleistung neben der Kinderbetreuung gewährleistet sein. Arbeitnehmer können auch  mit unverschuldeter persönlicher Verhinderung argumentieren. Laut Gesetz erhalten Angestellte in diesem Zeitraum weiterhin das Arbeitsentgeld, allerdings ist das Betreuungsproblem damit auch nur kurzzeitig gelöst. Da die Dauer der Corona-Krise nicht absehbar ist, sollte eine flexible und langfristige Lösung gefunden werden. Für Alleinerziehende bleibt oft nur die Arbeit im Homeoffice. In diesem Fall müssen der Arbeitgeber und sein Mitarbeiter eine für beide Seiten nützliche Einzelabsprache treffen, denn auch die dauerhafte Kinderbetreuung ist eine Form von Arbeit die Zeit beansprucht. Bei verheirateten Eltern wäre es möglich, dass ein Partner weiterhin seinem Job zu 100% nachgeht und der andere die Kinder betreut und ebenfalls über das Homeoffice versucht, die vom Chef gestellten Aufgaben zu bewältigen. Kurz gesagt braucht es hier ein Miteinander und ein Entgegenkommen beider Seiten, um die Gesetzeslücken in dieser Situation abzudecken.

Arbeitnehmer und Corona: Ein Mann arbeitet mit einem Laptop am Tisch. Gegenüber von ihm sitzt eine Frau, die ein kleines Baby füttert.
Wenn von Zuhause aus gearbeitet wird, ist bei der Kinderbetreuung Teamwork gefragt.

Recht auf Entgeltfortzahlung

Was passiert, wenn ein Betrieb Insolvenz anmelden muss? Welche Folgen hat das für die Angestellten?
Hier gilt, dass die Geschäftsleitung erstmal dazu verpflichtet ist, die Mitarbeiter zu entlohnen, solange diese arbeitsfähig und arbeitsbereit sind. Dass der Inhaber seine Mitarbeiter zu diesem Zeitpunkt nicht beschäftigen kann, wird hier als Betriebsproblem und damit als Geschäftsrisiko gewertet.

Im Quarantänefall im Krankenhaus wird, wie oben schon kurz erwähnt, dem Angestellten das reguläre Arbeitsentgelt über einen maximalen Zeitraum von 6 Wochen gezahlt. Nach dieser Zeit besteht, falls der Patient noch nicht genesen ist, nur noch ein Anspruch auf Krankengeld. Befindet sich der Mitarbeiter allerdings „nur“ in häuslicher Quarantäne und es geht im relativ gut, kann der Arbeitgeber die Möglichkeit des Homeoffice anbieten. Nimmt der Mitarbeiter dieses Angebot an, muss die Geschäftsführung den Arbeitslohn weiterzahlen. Allerdings muss der Mitarbeiter sein Arbeitspensum dann erfüllen.

Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollten die Ausnahmesituation gemeinsam lösen. Wichtig ist, vorrauschauend Regelungen und Absprachen zu treffen, um die neuen Herausforderungen der Corona-Krise zu meistern.  

Fotos: AdobeStock_299297541_Rymden, AdobeStock_309981240_SydaProductions, AdobeStock_330944160_JürgenFälchle, AdobeStock_330590403_paolese