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Ausbildungsvergütung 2027 mit Untergrenze von 764 Euro

6 Minuten Lesezeit
Jugendlicher liest am Schreibtisch einen Ausbildungsvertrag zur Ausbildungsvergütung 2027, daneben ein Taschenrechner und ein Füller

Für die Ausbildungsvergütung 2027 liegt die gesetzliche Untergrenze bei 764 Euro im ersten Jahr. Die meisten Auszubildenden erhalten deutlich mehr, ein Blick in den Vertrag lohnt sich vor der Unterschrift.

Für Ausbildungen, die 2027 beginnen, steigt die gesetzliche Untergrenze auf 764 Euro im ersten Jahr. Doch die meisten Auszubildenden erhalten deutlich mehr, und zwischen den Berufen liegen mehrere Hundert Euro im Monat.

Zwei Jugendliche beginnen im selben Jahr ihre Lehre, beide sind 17, beide sitzen zwei Tage pro Woche in der Berufsschule. Ihre Abrechnungen liegen trotzdem weit auseinander. Der eine Betrieb zahlt knapp über der gesetzlichen Untergrenze, der andere deutlich mehr als 1.000 Euro. Entscheidend sind Branche, Region und Tarifvertrag. Wer die Ausbildungsvergütung 2027 einschätzen will, sollte deshalb zuerst die Spanne kennen.

Die Mindestvergütung 2027 beginnt bei 764 Euro

Das Berufsbildungsgesetz schreibt eine Mindestvergütung vor, die jedes Jahr fortgeschrieben wird. Für Ausbildungen, die zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember 2027 beginnen, beträgt sie laut der am 7. Oktober 2026 im Bundesgesetzblatt veröffentlichten Bekanntmachung im ersten Ausbildungsjahr 764 Euro, im zweiten 902 Euro, im dritten 1.031 Euro und im vierten 1.070 Euro. Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) steigt die Untergrenze im ersten Jahr damit um knapp 5,6 Prozent gegenüber 2026, als sie bei 724 Euro lag.

Maßgeblich ist das Jahr, in dem die Ausbildung beginnt. Wer 2026 angefangen hat, bleibt bei den Sätzen seines Startjahrs, die neuen Werte gelten nur für Verträge mit Beginn 2027. Die Aufschläge für die späteren Jahre legt das Gesetz fest. Im zweiten Jahr kommen 18 Prozent auf den Wert des ersten Jahres, im dritten 35 und im vierten 40 Prozent.

Kaum ein Vertrag liegt auf der Untergrenze

Die Mindestvergütung markiert die Grenze nach unten. Laut BIBB wurde seit ihrer Einführung im Jahr 2020 nur bei drei bis vier Prozent der neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse im ersten Jahr genau dieser Betrag vereinbart. Der Anteil schwankt allerdings stark zwischen Berufen, Ausbildungsbereichen und Regionen.

In tarifgebundenen Betrieben liegt die Vergütung meist deutlich höher. Nach den Berechnungen des BIBB erhielten Auszubildende dort 2025 im Durchschnitt über alle Ausbildungsjahre 1.209 Euro brutto im Monat, 76 Euro mehr als im Jahr davor. Im ersten Ausbildungsjahr waren es durchschnittlich 1.117 Euro, im vierten 1.339 Euro. Bekommen Sie ein Angebot auf dem Niveau der Untergrenze, lohnt sich deshalb die Nachfrage, woran sich der Betrieb orientiert.

Der Tarifvertrag gibt den Takt vor

Ausgerechnet Tarifverträge dürfen die gesetzliche Untergrenze unterschreiten. Laut BIBB dürfen sich tarifgebundene Betriebe nach ihrem Tarifvertrag richten, auch wenn dieser weniger vorsieht. Für Betriebe ohne Tarifbindung gilt dagegen eine zusätzliche Grenze: Ihre Vergütung darf die für Branche und Region geltenden Tarifsätze um höchstens 20 Prozent unterschreiten.

Ordner mit Vergütungstabelle eines Tarifvertrags, eine Zeile gelb markiert, daneben Bleistift und Lesebrille
In tarifgebundenen Betrieben bestimmt der Tarifvertrag die Vergütung. 2025 stiegen die tariflichen Sätze laut BIBB im Schnitt um 6,7 Prozent.

In der Praxis liegen die Tarife fast immer über der Mindestvergütung, und sie sind zuletzt kräftig gestiegen. 2025 legten die tariflichen Ausbildungsvergütungen laut BIBB im bundesweiten Durchschnitt um 6,7 Prozent zu, nach 6,3 Prozent im Jahr davor. Im Osten fiel das Plus mit 6,9 Prozent etwas stärker aus als im Westen mit 6,6 Prozent. Wer in einem tarifgebundenen Betrieb lernt, profitiert von solchen Abschlüssen ohne eigene Verhandlung.

Zwischen Molkerei und Friseursalon liegen Hunderte Euro

Wie breit die Spanne ist, zeigt die Auswertung des BIBB für 2025. Die höchste durchschnittliche Tarifvergütung über alle Ausbildungsjahre zahlte der Beruf Milchtechnologe mit 1.463 Euro im Monat. Am anderen Ende stehen vor allem Handwerksberufe: Maler und Lackierer kamen auf 985 Euro, Bodenleger auf 950 Euro und Friseure mit 727 Euro auf den mit Abstand niedrigsten Wert. Insgesamt lag die tarifliche Vergütung laut BIBB bei rund 15 Prozent der Auszubildenden bei 1.000 Euro oder weniger.

Auszubildende in weißer Schutzkleidung prüft in einer Molkerei einen Edelstahltank mit einem Tablet
Milchtechnologen erhielten 2025 die höchste durchschnittliche Tarifvergütung. Welcher Beruf im Schnitt wie viel bringt, lässt sich vor der Bewerbung in den BIBB-Übersichten nachschlagen.

Auch zwischen den Ausbildungsbereichen gibt es deutliche Unterschiede. Am meisten erhielten Auszubildende 2025 nach den BIBB-Zahlen im öffentlichen Dienst mit durchschnittlich 1.329 Euro, unter den Bundesländern lag Baden-Württemberg mit 1.257 Euro vorn. Eine niedrigere Vergütung kann trotzdem die bessere Wahl sein, wenn der Betrieb gute Übernahmechancen bietet. Fragen Sie im Bewerbungsgespräch deshalb auch, wie viele Auszubildende in den vergangenen Jahren übernommen wurden.

Zuschüsse gleichen manchen Unterschied aus

Neben der Grundvergütung zahlen viele Betriebe weitere Leistungen. Das BIBB untersucht in einer eigenen Erhebung, welche tariflichen und freiwilligen Sozialleistungen Auszubildende erhalten. Dazu gehören Urlaubs- und Weihnachtsgeld, vermögenswirksame Leistungen sowie Fahr- oder Essensgeld. Auch Mobilitäts- oder Wohnzuschüsse sind möglich.

Beim Vergleich zweier Angebote lohnt sich deshalb die Frage, was neben der Zahl im Vertrag noch gezahlt wird. Ein Betrieb mit 50 Euro weniger Grundvergütung kann am Ende vorn liegen, wenn er das Ticket für Bus und Bahn übernimmt oder ein Notebook für die Berufsschule stellt. Rechnen Sie solche Leistungen auf den Monat um, dann lassen sich zwei Angebote fair vergleichen.

Der Gehaltszettel beginnt bei der Berufswahl

Wer sich für einen Beruf entscheidet, entscheidet damit auch über die Höhe des ersten Einkommens. Die Datenbank „Tarifliche Ausbildungsvergütungen“ des BIBB weist Durchschnittswerte für stärker besetzte Ausbildungsberufe aus, die Übersichten stehen als PDF und Excel-Datei bereit. Ein Blick hinein dauert wenige Minuten und zeigt, ob ein Angebot im üblichen Rahmen liegt.

Die beiden 17-Jährigen vom Anfang hätten das vor der Unterschrift prüfen können. Zwischen der Untergrenze von 764 Euro im ersten Jahr und dem tariflichen Durchschnitt von 1.463 Euro im bestbezahlten Beruf liegt genug Spielraum, um mit einer eigenen Zahl im Kopf ins Gespräch zu gehen.

Wie hoch ist die Mindestvergütung für Azubis 2027?

Für Ausbildungen, die 2027 beginnen, sind es im ersten Ausbildungsjahr 764 Euro, im zweiten 902 Euro, im dritten 1.031 Euro und im vierten 1.070 Euro.

Gelten die neuen Sätze auch, wenn die Ausbildung schon 2026 begonnen hat?

Nein. Maßgeblich ist das Jahr, in dem die Ausbildung beginnt. Mit einem Start 2026 bleibt es bei den Sätzen Ihres Startjahrs.

Darf ein Betrieb weniger als die Mindestvergütung zahlen?

Grundsätzlich nur mit Tarifbindung: Tarifgebundene Betriebe dürfen sich nach ihrem Tarifvertrag richten, auch wenn dieser weniger vorsieht. Für Betriebe ohne Tarifbindung bleibt die Mindestvergütung die Untergrenze. Zusätzlich gilt für sie eine Grenze: Ihre Vergütung darf die für Branche und Region geltenden Tarifsätze um höchstens 20 Prozent unterschreiten. Bei einer Teilzeitausbildung darf die Vergütung außerdem niedriger ausfallen, die Kürzung darf prozentual aber nicht höher sein als die der Arbeitszeit.

Welcher Ausbildungsberuf zahlt am meisten?

Nach der BIBB-Auswertung für 2025 lag der Milchtechnologe mit durchschnittlich 1.463 Euro im Monat vorn, Friseure kamen mit 727 Euro auf den niedrigsten Wert. Das sind tarifliche Durchschnittswerte über alle Ausbildungsjahre.

Fotos: Textnetz, Generiert mit KI

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