Auf dem Ausbildungsmarkt 2026 verteilen sich offene Lehrstellen und suchende Jugendliche ungleich über das Land. Wo Betriebe Nachwuchs suchen, fehlen oft die Bewerber, und umgekehrt.
Zehntausende Lehrstellen bleiben frei, während fast ebenso viele Jugendliche ohne Platz dastehen. Doch beide Seiten finden selten zueinander, weil Wohnort, Berufswahl und Konjunktur dazwischenstehen.
Ende August meldete die Bundesagentur für Arbeit 116.000 unbesetzte Ausbildungsstellen und zugleich 102.000 unversorgte Bewerberinnen und Bewerber, die weder eine Lehrstelle noch eine Alternative gefunden hatten. Auf dem Papier ginge die Rechnung beinahe auf. Im Alltag liegt die freie Stelle aber oft in einem anderen Landkreis oder in einem Beruf, den kaum jemand auf dem Zettel hatte. Wer den Ausbildungsmarkt 2026 verstehen will, sollte deshalb hinter die großen Summen schauen.
Der Ausbildungsmarkt 2026 hat zwei Lücken statt einer
Die Augustzahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen beide Seiten. Seit Oktober 2025 hatten sich 433.000 Bewerberinnen und Bewerber gemeldet, 4.000 mehr als ein Jahr zuvor. Bis August meldeten 156.000 von ihnen, dass ihre Suche erfolgreich war, 11.000 weniger als im Vorjahr. Dem standen 451.000 gemeldete Ausbildungsstellen gegenüber, von denen noch 116.000 frei waren.
Das Muster ist nicht neu. Für das Vorjahr hat die Bertelsmann Stiftung in ihrer Studie „Ausbildungsperspektiven 2026" beziffert, dass 84.000 Bewerberinnen und Bewerber leer ausgingen, während 54.400 Ausbildungsplätze unbesetzt blieben. Beide Gruppen waren groß genug, um sich gegenseitig zu helfen. Gefunden haben sie sich trotzdem nicht.
Der Wohnort entscheidet mit über die Chancen
Wie gut die Aussichten sind, hängt stark von der Region ab. In einzelnen Regionen gibt es mehr unbesetzte Ausbildungsplätze als unversorgte Bewerberinnen und Bewerber. Dort suchten die Betriebe also länger als die Jugendlichen. In anderen Regionen ist das Verhältnis umgekehrt.

Ein Umzug ist für 16- oder 17-Jährige selten realistisch. Ob sich eine regionale Lücke schließen lässt, entscheiden deshalb Pendelzeiten, Wohnheimplätze für Auszubildende und die Frage, ob die Familie einen längeren Weg mitträgt. Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit kann zu freien Stellen und möglichen Hilfen beraten.
Beliebte Berufe sind voll, andere bleiben leer
Neben der Region zählt der Beruf. Das Bundesinstitut für Berufsbildung spricht von Passungsproblemen: In gefragten Berufen bleiben Bewerber ohne Platz, in anderen bleiben Stellen frei. Wie das konkret aussieht, unterscheidet sich je nach Region. Auch zwischen einzelnen Berufen können Angebot und Nachfrage unterschiedlich ausfallen.
Wer sich auf zwei oder drei Wunschberufe festlegt, steht dort, wo das Gedränge am größten ist. Viele freie Stellen liegen in Berufen, die im Alltag kaum sichtbar sind und deshalb bei der Berufswahl gar nicht erst auftauchen. Suchen Sie in der Jobbörse der Bundesagentur deshalb einmal nach Berufsfeldern statt nach Berufsnamen, dann erscheinen Angebote, an die vorher niemand gedacht hat.
Betriebe melden weniger Lehrstellen als im Vorjahr
Das Angebot schrumpft. Mit 451.000 gemeldeten Ausbildungsstellen zählte die Bundesagentur für Arbeit im August 32.000 weniger als ein Jahr zuvor. Nach dem Berufsbildungsbericht 2026 wurden im Jahr 2025 bundesweit rund 476.000 duale Ausbildungsverträge neu abgeschlossen. Die Verschlechterung wird mit der angespannten Wirtschaftslage in Verbindung gebracht.
Für Bewerber heißt das, dass der Markt enger wird, obwohl Fachkräfte weiterhin gesucht werden. Betriebe, die vorsichtiger planen, wählen genauer aus und laden weniger Kandidaten ein. Eine sorgfältige Bewerbung und ein persönlicher Kontakt zum Betrieb zählen deshalb mehr als in Jahren, in denen Lehrstellen im Überfluss vorhanden waren.
Die Suche endet nicht mit dem Ausbildungsstart
Ein Teil der Plätze wird auch nach dem offiziellen Ausbildungsbeginn weitervermittelt. Die Suche kann deshalb auch nach dem offiziellen Ausbildungsbeginn weitergehen. Die Bilanz wird nach dem Ende des Berichtsjahres veröffentlicht.

Wenn Sie oder Ihr Kind jetzt noch suchen, lohnt es sich, drei Wege parallel zu gehen: die Berufsberatung der Agentur für Arbeit anrufen, eine Handvoll Betriebe direkt ansprechen und eine Probewoche oder ein kurzes Praktikum anbieten. Ob ein Einstieg im laufenden Ausbildungsjahr noch klappt, hängt vom Beruf und vom Betrieb ab. Ein Anruf bei der zuständigen Kammer klärt das meist in wenigen Minuten.
Ein zweiter Berufswunsch öffnet Türen
Die Zahlen beschreiben einen Markt, auf dem Chancen ungleich verteilt sind. Wer mit einem einzigen Wunschberuf in einer einzigen Stadt sucht, steht im Gedränge. Wer einen zweiten Beruf und einen größeren Umkreis mitdenkt, trifft häufiger auf einen Betrieb, der selbst noch sucht.
Hilfreich ist eine ehrliche Liste mit drei Spalten: Tätigkeiten, die Spaß machen, Berufe, die dazu passen, und die Strecke, die sich jeden Morgen bewältigen lässt. Mit diesen Antworten geht die Rechnung, die auf dem Papier fast aufgeht, auch im eigenen Fall auf.
Fotos: Textnetz, Generiert mit KI
















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